Berlin, 17. September 2020 – Patienten mit Niedrig-Risiko-Prostatakrebs erhalten mit der Low-Dose-Rate (LDR)-Brachytherapie nun auch in der ambulanten Versorgung eine weitere Behandlungsalternative. Den entsprechenden Beschluss fasste der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) am Donnerstag in Berlin. Die Brachytherapie ist ein organerhaltendes, minimalinvasives Bestrahlungsverfahren, bei dem die Strahlenquelle in den Körper eingebracht wird. Im Vergleich zu den anderen verfügbaren Therapiealternativen, wie Entfernung der Prostata oder äußere Strahlentherapie, weist die Brachytherapie ein anderes, häufig für den Patienten vorteilhafteres Nebenwirkungsprofil auf.

Hier die Pressemitteilung des GBA vom 17.09.2020 im vollen Originalwortlaut:

Erste Stellungnahme zur Pressemitteilung des GBA vom 17.09.2020:

Nachdem der Antrag auf Bewertung der Brachytherapie durch den GBA schon im Jahre 2002 durch den VDAK gestellt wurde und die Beratungen sich letztlich 18 Jahre (achtzehn !) hingezogen haben, ist die jetzige Anerkennung als Behandlungsmethode – ungeachtet aller später noch zu klärenden Einzelheiten – ein großartiger Erfolg für die Patienten und die LDR-Brachytherapie in Deutschland.

Die PREFERE-Studie, die zwischenzeitlich vom GBA initiiert worden war, um eine wissenschaftliche Evaluation der Brachytherapie zu ermöglichen, war aufgrund ihres (zu) komplizierten Designs und aufgrund der Sorge vieler etablierter Fachvertreter der Urologie und Radioonkologie, die LDR-Brachytherapie könne sich zum Schluss als die überlegene Methode erweisen, leider gescheitert.

Erfreulicherweise hat der GBA es verstanden, doch zugunsten der Patienten zu entscheiden und der LDR-Brachytherapie die methodische Anerkennung ausgesprochen, die sie in der internationalen Literatur schon lange geniesst.

Aus verfahrenstechnischen Gründen wird die ambulante Zulassung zunächst auf Patienten im Niedrig-Risiko-Stadium beschränkt sein. Es sind auch noch weitere verfahrenstechnische Fragen zu klären, bevor tatsächlich eine ambulante LDR-Brachytherapie zulasten der Gesetzlichen Krankenversicherung durchgeführt werden kann.

Ebenso wichtig ist, daß die stationäre Leistungserbringung nach derzeitigem Stand nicht beeinträchtigt sein wird. Dies ist für viele Patienten mit belastenden Vorerkrankungen, die einer vollstationären Betreuung bedürfen, relevant.

Freuen wir uns an diesem für die LDR-Brachytherapie wichtigen Tag darauf, in den nächsten Jahren noch weiter voranzuschreiten und das volle Potential der Methode auch im Mittelrisikostadium und Hochrisikostadium erfolgreich in den Deutschen Versorgungsalltag umzusetzen und uns dann endlich auf Augenhöhe mit den Internationalen Leitlinien und Studienergebnissen zu befinden.