Was ist Brachytherapie ?

Der Begriff „Brachy“Therapie kommt aus dem Griechischen und bedeutet „kurz, nah“. Brachytherapie bezeichnet somit ein Verfahren der Strahlenheilkunde, bei dem der Abstand zwischen Strahlenquelle und Tumorzielgebiet sehr klein ist. Bei der Brachytherapie des Prostatakarzinomes sind werden radioaktive Strahler mitten in den Prostatakrebs eingesetzt.

Am weitesten verbreitet ist beim Prostatakrebs die LDR (Low Dose Rate) Brachytherapie. Schwach radioaktive Strahler werden in einem einmaligen Eingriff in die Prostata eingesetzt. Dies erfolgt in Vollnarkose oder Spinalanästhesie und dauert in etwa 70 Minuten.

Die Privatkassen und die Beihilfe übernehmen die Kosten immer schon ambulant wie auch stationär. Die Kostenübernahme durch die meisten Gesetzlichen Krankenkassen ist mittlerweile ebenfalls gewährleistet. Mit einigen Kassen (u.a. DAK, Barmer GEK, TKK) bestehen Spezialverträge zur Brachytherapie.

Sehr gute Heilungsraten bei geringen Nebenwirkungen

Für eine wirklich gute Brachytherapiebehandlung braucht es ein leistungsstarkes Team aus Strahlentherapie, Urologie, Medizinphysik und Anästhesie mit hohen Eingriffszahlen, also viel Erfahrung. Seit der Praxisgründung im Jahre 2000 haben wir mittlerweile ca. 4000 Seedimplantationen bei Patienten mit Prostatakrebs durchgeführt und zählen dadurch mittlerweile zu den erfahrensten LDR-Brachytherapieinstitutionen weltweit.

Allein in Hamburg sind seit der Eröffnung der Hamburger Praxis im Juni 2002 bis Mitte 2018 über 3500 Patientenbehandlungen erfolgt.

Die Heilungsraten unserer Patienten nach 60 Monaten liegen in einer aktuellen Auswertung im Frühstadium bei 97,4 %, im Intermediärstadium bei 90,5 % und im Hochrisikostadium bei 87,4 %. Diese Ergebnisse entsprechen den Erfahrungen aus den USA und anderer ausgewiesener Brachytherapiezentren. Ernsthafte Nebenwirkungen sind dabei selten.
Die Heilungsraten unserer Konzepte sind den Heilungsraten nach Radikaloperation in der offiziellen Betrachtungsweise mindestens ebenbürtig.

Unserer persönlichen Erfahrung nach sind sie sogar besser, weil es bei der LDR-Brachytherapie bei entsprechender Technik relativ mühelos gelingt, einen kleinen Sicherheitssaum um die Prostata herum mitzubehandeln. Dies liess sich im 5-Jahres-Vergleich unserer Ergebnisse mit den Datenbanken aus dem MSKCC (New York) und John Hopkins University (Baltimore) hochsignifikant herausarbeiten.

​Schon lange (2006) führen wir auch die sog. Salvage-Brachytherapie durch. Hierbei geht es um die Behandlung von lokalen Tumorrückfällen nach vorangegangener Primärtherapie, also nach externer Bestrahlung, LDR/HDR-Brachytherapie und teilweise sogar nach Radikaloperationen. Seit Einführung der fokalen Technik ist die Verträglichkeit der Salvage-Brachytherapie sehr gut geworden.

​Seit 2013 haben wir als einer der ersten Institutionen auch die fokale Brachytherapie in das Behandlungsspektrum aufgenommen, die bei besonders früh erkannten Karzinomen oder auch für die Salvage-Brachytherapie Anwendung finden kann. Die bisherigen Erfahrungen sind sehr gut.
Bei diesen Patienten ist eine besonders präzise vorherige Bildgebung angezeigt.

Bildgebende Qualitätssicherung durch MRT nach erfolgreicher LDR-Brachytherapie mit betonter Schonung der Harnröhre.

Die Kernspinaufnahme zeigt die Anatomie sehr präzise. Dick rot= Prostata, dick grün = Harnröhre, dick blau = Enddarm, dick dunkelblau = Haupttumor. Orange= Seeds. Ferner sind verschiedene Dosispunkte angegeben.

Typisch für die LDR-Brachytherapie sind die steilen Dosisgradienten. Innerhalb des Tumors rechts und links ist die Strahlungsdosis mit 322,54 Gy und 360,43 Gy äusserst hoch. Die dünne grüne Linie entspricht der 150% Isodose (217,5 Gy) und umfasst das gesamte Tumorgebiet. Die dünne rote Linie entspricht der noch tumorizid wirksamen Dosis von 145 Gy, sie umfasst die gesamte Prostata mit Ausnahme des vor der Harnröhre gelegenen Anteiles (Dosis hier ca. 92,5 Gy). Die Dosis an der Harnröhre ist dadurch gering (ca. 136,42 Gy). Auch die Dosis am Enddarm ist gering (zwischen ca. 128,10 Gy und 53,07 Gy). Ca. 2 cm ausserhalb der Prostata kommt keine relevante Strahlendosis mehr an (26,32 Gy bzw. 41,8 Gy an den Dosispunkten)

Mithilfe eines sog. Dosis-Volume-Histogrammes ist genau sichtbar, wieviel Dosis die verschiedenen Organe durch die Seedimplantation erhalten. Die Strahlendosis in der Prostata muss hoch sein (rot), die Dosis an der Harnröhre (grün) und Enddarm (blau) möglichst niedrig.

Qualitätssicherung bei der LDR-Brachytherapie

Die Qualitätssicherung unserer durchgeführten Behandlungen liegt uns am Herzen.

​Folgende Maßnahmen führen wir regelmäßig bei allen Patienten durch:

  • ​Eingehende Voruntersuchung mit DRE und Transrektalem Ultraschall
  • Eingehende umfassende Aufklärung über die in Frage kommenden Behandlungsformen
  • Uroflowmetrie und Restharnbestimmung
  • Kontrolle der Seedlage durch ein CT oder MRT der Prostata
  • Ggf. Nachsetzen von Seeds bei unzureichender Dosisverteilung (sehr selten)
  • Regelmäßige Befragungen durch den von der Deutschen Krebsgesellschaft entworfenen Fragebogen „Onkozert“
  • Regelmäßige Kontrollen durch das EPIC 26 Modul von ICHOM (International Consortium for Health Outcomes Measurement)
  • Prospektive Erfassung aller Patienten in einer geeigneten Datenbank
  • Regelmäßige Auswertung der relevanten Outcome-Parameter
  • Vorträge und Publikationen